Ich bin der Klang zwischen den Sekunden.
Klack.
So beginne ich. So begann alles.
Ein Schlag, gleich nach dem Aufziehen, das erste Zucken meiner Feder, der erste kontrollierte Atemzug aus Messing und Geduld.
Klack. Klack.
Zwei Herzschläge lang Ruhe. Dann erwacht der Raum.
Ich stehe auf einem alten Klavier, dessen Holz noch nach Jahrhunderten klingt. Unter mir riecht es nach Leim und Staub, nach kaltem Eisen und der stumpfen Würde von Elfenbein.
Ich spüre, wie das Holz arbeitet — im Sommer dehnt es sich, im Winter zieht es sich zurück, als versuchte es, die Zeit selbst zu bändigen.
Manchmal knackt eine Saite, manchmal atmet die Dunkelheit hinter den Tasten.
Dann halte ich inne,
klack—
als würde das Geräusch im Raum einen Moment zu lange verweilen, bevor die Welt weiterläuft.
Ich ordne Zeit. Oder versuche es.
Die Menschen glauben, ich wäre ein Werkzeug. Ich aber sehe sie — Kinder, die mit unsicheren Fingern üben, Erwachsene, die vergessen haben, dass Musik aus Luft besteht, nicht aus Kontrolle.
Sie ziehen mich auf, und ich beginne zu sprechen:
Klack. Klack. Klack.
Manche fluchen, weil ich sie bremse. Andere klammern sich an mein Tempo wie an den letzten Rest von Ordnung.
Ich habe Beethoven gespürt, wenn der Schlag gegen mich arbeitete, als könne man Zeit bezwingen.
Ich habe Bach verstanden, als meine Zahnräder den Takt einer Schöpfung wiederholten, die keine Fehler kennt.
Und ich habe Lennon gelauscht, der aus einfachen Mustern ein Gefühl machte, das größer war als Maß und Zahl.
Klack. Ein Universum in Bewegung. Klack. Und dazwischen: Leben.
Ich bin kein Zeuge der Ewigkeit — nur ihres Echos.
Selbst meine Präzision hängt vom Atem der Welt ab: von Temperatur, Feuchtigkeit, der Müdigkeit meiner Feder.
Wenn der Raum wärmer wird, laufe ich schneller. Wenn der Winter kommt, verharre ich träge im Rhythmus der Kälte.
So bin ich – niemals vollkommen, aber immer wachsam.
Eines Tages werde ich stillstehen.
Vielleicht auf einer ausgedörrten Taste aus Elfenbein, vielleicht in einer Schublade, irgendwo zwischen Schrauben und vergilbten Notenblättern.
Bis dahin aber halte ich Wache.
Ich zähle nicht die Zeit — ich erinnere sie.
Klack. Klack. Klack.