Es war hier in letzter Zeit etwas ruhiger. Wer gelegentlich auf textkaleidoskop.de vorbeigeschaut hat, könnte den Eindruck gewonnen haben, ich hätte das Schreiben eingestellt oder mich zumindest auf eine längere kreative Auszeit verabschiedet. Das Gegenteil war der Fall. Ich habe geschrieben, gestrichen, umgestellt, recherchiert, korrigiert und gelegentlich darüber nachgedacht, ob drei Bücher wirklich eine vernünftige Idee waren.
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Die Antwort darauf schwankte im Verlauf der vergangenen Monate erheblich.
Nun sind sie fertig. Alle drei. Am 14. Oktober 2026 erscheint meine Trilogie über künstliche Intelligenz, ihre Versprechen und die Fragen, die zwischen technischer Begeisterung und gesellschaftlicher Wirklichkeit erstaunlich häufig unbeantwortet bleiben.
Was ursprünglich als kritische Auseinandersetzung mit den Effizienzversprechen generativer KI begann, entwickelte sich zu einem deutlich größeren Vorhaben. Denn je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto weniger ließ es sich auf die Frage reduzieren, ob uns ChatGPT und seine Verwandtschaft tatsächlich Arbeit abnehmen.
Dahinter liegen zwei weitere Fragen: Was macht diese Technologie mit unserer Gesellschaft? Und was bedeutet es überhaupt, wenn Maschinen Antworten erzeugen, die wie menschliches Wissen aussehen?
Aus einer Fragestellung wurden drei Bücher. Aus drei Büchern wurde eine Menge Arbeit. Und aus der Vorstellung, irgendwann müsse man mit einem Manuskript doch fertig sein, wurde eine Erfahrung, über die sich vermutlich ein viertes Buch schreiben ließe. Das werde ich allerdings vorerst vermeiden.
Band I: KI-Effizienz-Lüge – Wenn schneller nicht besser bedeutet
Der erste Band beschäftigt sich mit dem wirtschaftlichen und organisatorischen Versprechen künstlicher Intelligenz.
KI schreibt Texte, analysiert Dokumente, erstellt Zusammenfassungen und produziert Ergebnisse in einer Geschwindigkeit, mit der Menschen kaum konkurrieren können. Daraus entsteht schnell die Annahme, dass mehr Geschwindigkeit automatisch mehr Produktivität und damit mehr Effizienz bedeutet.
Nur funktioniert diese Rechnung nicht immer.
Denn was schneller erzeugt wird, muss häufig weiterhin geprüft, bewertet, korrigiert und verantwortet werden. Wenn die Produktion von Ergebnissen nahezu beliebig skaliert, die menschliche Fähigkeit zu ihrer Beurteilung jedoch nicht, verschiebt sich Arbeit, statt zu verschwinden. Aus eingesparter Bearbeitungszeit können neue Kontrollaufgaben entstehen, aus individueller Produktivität organisatorische Überlastung.
Das Buch untersucht diese Widersprüche und fragt, weshalb technisch beeindruckende Einzelleistungen nicht zwangsläufig zu besseren Gesamtergebnissen führen. Es geht um Fehlanreize, versteckte Aufwände, organisatorische Abhängigkeiten und die Frage, unter welchen Bedingungen KI tatsächlich einen nachhaltigen Nutzen erzeugt.
Der erste Band war bereits in einer früheren Fassung fertig. Im Zuge der Arbeit an den beiden folgenden Büchern habe ich ihn allerdings noch einmal grundlegend überarbeitet.
Nicht, weil seine zentrale Argumentation plötzlich falsch geworden wäre, sondern weil sich mein eigener Schreibstil und die gedankliche Architektur der Trilogie weiterentwickelt hatten. Die beiden späteren Bände waren sprachlich dichter, argumentativ geschlossener und in ihrer Struktur konsequenter geworden. Daneben wirkte der erste Band stellenweise wie ein älterer Verwandter, der zwar zur Familie gehört, bei gemeinsamen Gesprächen aber noch etwas umständlicher zum Punkt kommt.
Also habe ich ihn erneut angefasst, Passagen gestrafft, Argumentationslinien geschärft und die Darstellung stilistisch an die beiden anderen Bände angeglichen. Damit stehen nun drei Bücher nebeneinander, die nicht nur thematisch zusammengehören, sondern auch sprachlich eine Einheit bilden.
Band II: KI-Teilhabe-Lüge – Was wir gewinnen und was wir verlieren
Der zweite Band verlässt die wirtschaftliche Perspektive und richtet den Blick auf die Gesellschaft.
Generative KI wird zunehmend zum alltäglichen Begleiter. Sie erklärt Kindern die Welt, unterstützt beim Lernen, formuliert Nachrichten, vermittelt Informationen, simuliert Gesprächspartner und bereitet Entscheidungen vor. Vieles davon ist nützlich, manches beeindruckend und einiges möglicherweise sogar eine erhebliche Verbesserung gegenüber bisherigen Möglichkeiten.
Doch gesellschaftliche Veränderungen lassen sich nicht allein aus der Summe individueller Vorteile beurteilen.
Wenn ein Kind seine Fragen zunehmend einer Maschine stellt, verändert das möglicherweise nicht nur seinen Zugang zu Informationen, sondern auch die Rolle seiner Eltern und Lehrkräfte. Wenn Texte nahezu beliebig erzeugt werden können, verändert sich die Bedeutung schriftlicher Leistungsnachweise. Wenn künstliche Gesprächspartner jederzeit verfügbar sind, entstehen neue Formen von Nähe, ohne dass ihnen menschliche Gegenseitigkeit entsprechen muss.
Und wenn öffentliche Institutionen technische Systeme einsetzen, um Entscheidungen vorzubereiten, stellt sich die Frage, wer deren Voraussetzungen bestimmt und wer für ihre Folgen einstehen muss.
Das Buch untersucht solche Entwicklungen in Familie, Bildung, Wissenschaft, Journalismus, Arbeitswelt, Justiz, Verwaltung und Demokratie.
Ein wiederkehrendes Bild ist dabei der Schiffsbohrwurm. Er zerstört ein Schiff nicht durch einen spektakulären Angriff von außen, sondern arbeitet sich unbemerkt durch dessen tragende Struktur. Von außen kann das Holz noch vollkommen intakt aussehen, während im Inneren bereits die Voraussetzungen seiner Stabilität verschwinden.
Als Metapher beschreibt er eine Gefahr, die ich bei generativer KI für besonders relevant halte: Gesellschaftliche Strukturen können sich verändern, lange bevor ihre schleichende Schwächung als Problem erkannt wird.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, künstliche Intelligenz grundsätzlich abzulehnen. Es geht um die Unterscheidung zwischen technischer Unterstützung und gesellschaftlicher Abhängigkeit, zwischen neuen Möglichkeiten und dem Verlust jener Fähigkeiten und Beziehungen, die wir für ein selbstbestimmtes Zusammenleben benötigen.
Band III: KI-Erkenntnis-Lüge – Wenn eine Antwort noch kein Wissen ist
Mit dem dritten Band wird es philosophischer. Allerdings nicht im Sinne einer möglichst komplizierten Sprache, mit der sich einfache Fragen zuverlässig unverständlich machen lassen.
Im Mittelpunkt steht eine Unterscheidung, die im Umgang mit generativer KI zunehmend verschwimmt: die zwischen einer überzeugenden Antwort und einer begründeten Erkenntnis.
Sprachmodelle können bemerkenswert präzise formulieren, komplexe Sachverhalte erläutern und Zusammenhänge darstellen, die sich kaum von menschlichen Ausführungen unterscheiden lassen. Doch eine sprachlich plausible Erklärung ist noch kein Beleg dafür, dass ihre Aussagen zutreffen oder dass das System den beschriebenen Gegenstand versteht.
Das klingt zunächst nach einer akademischen Spitzfindigkeit. Tatsächlich berührt es die Grundlagen dessen, wie wir Wissen gewinnen, überprüfen und weitergeben.
Was unterscheidet Wahrheit von Wahrscheinlichkeit? Wann ist eine Erklärung tragfähig? Welche Rolle spielen Kausalität, Begründung und Nachprüfbarkeit? Und weshalb reicht es nicht aus, dass ein technisches System häufig richtige Ergebnisse liefert?
Das Buch verbindet philosophische Erkenntnistheorie mit wissenschaftlichen und technischen Perspektiven. Es beschäftigt sich mit den Grenzen statistischer Modelle, den Voraussetzungen belastbarer Aussagen und der menschlichen Verantwortung für die Prüfung dessen, was wir als Wissen akzeptieren.
Dabei geht es nicht darum, den Maschinen ihre Fähigkeiten abzusprechen. Sie können uns bei der Erkenntnisgewinnung unterstützen, Zusammenhänge sichtbar machen und neue Fragen eröffnen. Aber die Fähigkeit, eine Antwort zu erzeugen, ist nicht mit der Fähigkeit gleichzusetzen, ihre Wahrheit zu begründen.
Vielleicht ist das sogar die wichtigste Unterscheidung der gesamten Trilogie.
Warum drei Bücher statt eines?
Die naheliegende Antwort wäre, dass ein einzelnes Buch irgendwann unhandlich geworden wäre. Das stimmt, erklärt aber nur einen Teil der Entscheidung.
Die drei Perspektiven verlangen unterschiedliche Maßstäbe.
Im ersten Band geht es darum, ob technische Leistungsfähigkeit tatsächlich zu wirtschaftlichem und organisatorischem Nutzen führt. Im zweiten steht die Frage im Mittelpunkt, welche Folgen der Einsatz dieser Systeme für unser Zusammenleben hat. Der dritte untersucht schließlich, welche Aussagen über Wissen, Wahrheit und Verstehen sich aus den Fähigkeiten generativer KI überhaupt ableiten lassen.
Diese Fragen hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Wer sie vermischt, landet schnell bei einem jener allumfassenden KI-Urteile, die sich hervorragend als Schlagzeile eignen und bei näherer Betrachtung wenig erklären.
Mir war deshalb wichtig, die Argumentation auseinanderzuhalten, ohne die Verbindungen zu verlieren.
Alle drei Bücher verfolgen dabei denselben Anspruch: weder technologische Heilsversprechen nachzusprechen noch den Untergang der Zivilisation auszurufen. Künstliche Intelligenz ist leistungsfähig, ihre Anwendung kann sinnvoll sein und ihre Entwicklung wird unsere Welt verändern. Aber aus keiner dieser Feststellungen folgt, dass jede Anwendung vernünftig, jede Veränderung wünschenswert oder jede technische Möglichkeit bereits ein Fortschritt ist.
Und warum war es hier so still?
Wer schon einmal an einem längeren Manuskript gearbeitet hat, kennt vermutlich den Moment, in dem aus einem überschaubaren Projekt eine ziemlich eigensinnige Beschäftigung wird.
Bei drei miteinander verbundenen Büchern kommt noch etwas hinzu: Eine Änderung im dritten Band kann plötzlich eine Formulierung im ersten fragwürdig erscheinen lassen. Eine neue Argumentation im zweiten macht Wiederholungen sichtbar, die zuvor niemanden gestört haben. Und irgendwann beschäftigt man sich nicht mehr nur mit Gedanken, sondern auch mit Literaturverzeichnissen, Indexeinträgen, Satzspiegeln, Grafiken, Druckformaten und der bemerkenswerten Kreativität, mit der LaTeX gelegentlich auf vermeintlich harmlose Änderungen reagiert.
Der eigentliche Kampf bestand allerdings weniger in der Technik als im Überarbeiten. Einen Gedanken aufzuschreiben ist vergleichsweise einfach. Ihn so zu formulieren, dass er präzise, verständlich und nicht bereits drei Kapitel zuvor ausführlich erklärt worden ist, verlangt deutlich mehr Disziplin.
Dafür musste anderes zurückstehen, darunter auch dieser Blog.
Ich war also nicht schweigsam, weil mir die Themen ausgegangen wären. Eher im Gegenteil. Ich hatte zu viele davon und wollte sie zunächst in eine Form bringen, die über den nächsten Blogbeitrag hinaus Bestand hat.
Am 14. Oktober ist es so weit
Am 14. Oktober 2026 erscheinen die drei Bände:
- KI-Effizienz-Lüge
- KI-Teilhabe-Lüge
- KI-Erkenntnis-Lüge
Jeder Band lässt sich unabhängig lesen. Gemeinsam bilden sie eine kritische Betrachtung generativer künstlicher Intelligenz aus wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und erkenntnistheoretischer Perspektive.
Ob die Leserinnen und Leser meine Schlussfolgerungen teilen, ist dabei weniger wichtig als die Bereitschaft, die zugrunde liegenden Fragen ernst zu nehmen. Ein Buch, das lediglich Zustimmung erzeugt, hat schließlich noch nicht besonders viel geleistet.
Für mich endet damit eine intensive Arbeitsphase. Zumindest der Teil, in dem ich an drei Manuskripten gleichzeitig arbeite, ihre Argumentationen aufeinander abstimme und mich frage, ob ein Absatz nach der zwölften Überarbeitung tatsächlich besser geworden ist.
Und vielleicht wird es hier nun auch wieder etwas lebhafter.
Stoff zum Schreiben gibt es jedenfalls weiterhin genug. Nur möchte ich vorerst vermeiden, dass aus jedem neuen Gedanken gleich ein weiterer Band entsteht.


